AgrarDigitale Transformation

Die digitale Transformation ist da – nutzen wir sie!

Die digitale Transformation ist da und sie wird auch nicht mehr verschwinden. Jeder wird damit über kurz oder lang, in Berührung kommen – sei es als Gestalter, Nutzer, Regulierer oder Betroffener. Schon deshalb ist die digitale Transformation kein IT Thema per se, selbst wenn die Informationstechnologien die Auslöser und Treiber sind.

Zeitgleich mit dieser in der breiten Gesellschaft angekommenen Phase der digitalen Transformation mehren sich berechtigte Sorgen und Klagen über so vieles auf unserer Welt. Ob Klima, Energie, Ernährung, Gesundheit, Konsum, Arbeit, Bildung oder auch Gerechtigkeit – überall haben wir deutlichen Handlungsbedarf.

Wie wäre es, wenn wir die Möglichkeiten der digitalen Transformation verstärkt auf diese für unsere Gesellschaft so bedeutenden Herausforderungen anwenden würden?

Die Abschlusserklärung zum Thema „Digitalisierung“ auf dem diesjährigen G20 Gipfel in Hamburg lautete: „Der digitale Wandel ist eine Triebkraft des globalen, innovativen, inklusiven und nachhaltigen Wachstums und kann dazu beitragen, Ungleichheit abzubauen und die Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung zu erreichen.“

Dann packen wir’s doch an!

Wo stehen wir in den verschiedenen Branchen? Welche Chancen können wir ergreifen und welche Herausforderungen haben wir? Wo und wie kann uns die digitale Transformation unterstützen?

Ich möchte in diesem Beitrag einen Blick auf die Landwirtschaft werfen, einer Branche welche vermuten lässt zu den konservativen und nicht stark digitalisierten zu zählen. Weit gefehlt.

Die digitale Transformation läuft dort unter dem Begriff Smart Farming oder Landwirtschaft 4.0 und hat das Ziel, die Produktion von Agrarprodukten effizienter, aber auch nachhaltiger zu machen.
Zu Effizienzverbesserungen können sogenannte Farm Management Systeme führen. Wenn man auf capterra.com nach solchen Systemen sucht, werden weit über 100 Anbieter aufgelistet. Häufig handelt es sich dabei um eine Art „ERP für Landwirtschaft“. Es werden aber auch bereits Crop Management (Pflanzen-/Erntemanagement) und Livestock Management (Viehwirtschaft) Systeme angeboten, die sich auf die betriebskritischen Funktionen rund um die Erzeugung von Agrarprodukten fokussieren.
Die digitale Transformation in der Landwirtschaft ermöglicht nun weitere Effizienzsteigerungen. Neue software-basierte, technische Lösungen, oft über Sensorik, Drohnen (Beispielvideo), Bilderkennungs- und Ortungssoftware realisiert, können dabei helfen, die Produktivität der Pflanzenproduktion und die Qualität bei Ernte zu erhöhen.
Das sogenannte „Precision Farming“ hilft dabei die Anbauflächenbearbeitung und Erntevorgänge zu optimieren. Neue oder technisch aufgerüstete Landwirtschaftsmaschinen werden digital vernetzt und gesteuert. Zeit- und ortsgenaue, digitalisierte Daten über Bodenbeschaffenheit, Temperatur und Wachstumsfortschritt können zur Planung und Bewirtschaftung mit einbezogen werden. Wenn dies durch gleichzeitig geringeren Einsatz von schädlicher Chemie für Boden und Agrarprodukt geschieht, dann geht das über reine Effizienzsteigerung hinaus und kann einen hervorragenden Beitrag zur Verbesserung von Nachhaltigkeit und gesunder Ernährung leisten.

Aber nicht nur auf dem Feld, auch im Stall hält die Digitalisierung Einzug. Füttern, melken, misten – Viehhaltung erfolgt heute bereits größtenteils vollautomatisiert. Melkroboter gehören bereits seit geraumer Zeit für die Milchwirtschaft zur Grundausstattung. Nun können auch diese Maschinen vernetzt werden und neben exakten Milchmengen und Melkzeiten pro Kuh auch etwaige Krankheitsdaten erkennen und zurückzumelden.

Solche Smart Farming Lösungen haben das Potenzial in naher Zukunft deutliche Verbesserungen in der Landwirtschaft zu erreichen. Das Ziel ist es, größere Mengen an Agrarprodukten zu erzeugen, bei besserer Qualität, reduziertem Chemie- und Ressourceneinsatz und geringeren Kosten.

Einem Bericht in topagrar online nach, sollten laut DLG (Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft) im Jahr 2030 die im Jahr 2015 beschlossenen Millenniumsziele der Vereinten Nationen erreicht sein. Für die Landwirtschaft laute das Ziel: „Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen sowie eine nachhaltige Landwirtschaft fördern.“
Um das zu erreichen, müsste die Produktivität gesteigert, die mit der Landwirtschaft verbundenen Umweltschäden reduziert und die Nutztierhaltung so organisiert werden, dass sie von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen werden. Alle drei Probleme gleichzeitig zu lösen, Landwirtschaft also nachhaltiger zu machen, erfordere von allen Beteiligten ein hohes Maß an Engagement, Innovationskraft, Know-how, Kreativität und Veränderungsbereitschaft, betont die DLG.

Die Herausforderungen sind also groß.
Wie in anderen Branchen gibt es einige Hürden die einer erfolgreichen digitalen Transformation im Wege stehen. Ausreichend Netzbandbreite auf dem Land zu bekommen ist in Deutschland leider noch immer eine Herausforderung. Auch Kritik und Veränderungsresistenz aus der Landwirtschaft, getrieben durch die Sorge eines noch weiter beschleunigten Konsolidierungsprozesses der Landwirtschaftsbetriebe und wie in anderen Branchen die hervorgebrachte Sorge der Daten- und Technikabhängigkeit von großen Anbietern, erschweren die Umsetzung der digitalen Transformation.

Eine digitale Transformation die nur auf die Optimierung des bisherigen Systems durch Technologie und Daten ausgerichtet ist, wird aber auch nicht ausreichen, um die erheblichen Schwachstellen der Welternährung zu adressieren. Hohe Lebensmittelverschwendung, schlechte Ernährung und ihre Folgen, enorme Treibhausgasbelastung durch exzessive Fleischwirtschaft, sowie Verteilungsherausforderungen (Hunger und Bevölkerungswachstum) erfordern ein Umdenken in unserer Gesellschaft.

 

Wenn dieses Bewusstsein greift, werden neue Ideen durch kreative Köpfe entstehen. Diese können sich den Möglichkeiten der digitalen Transformation bedienen, um die Ideen in wirksame Innovationen umzusetzen. Hier beginnt für mich wahre Disruption.

Ich wünsche frohe Weihnachten und ein gesundes und friedliches Jahr 2018!