Digitale Transformation

Digitale Transformation – erstmal an die Hausaufgaben!

Die digitale Transformation an sich ist nicht wirklich neu. Technologieunternehmen, IT Fachleute und innovative Anwender sind seit Jahrzehnten damit beschäftigt – nur nicht in der Breite, der Tiefe und dem Ausmaß, wie es die neuen Technologien heute und künftig ermöglichen. Der Begriff „Digitale Transformation“ findet aber erst seit 2016 so richtig Verbreitung und erzeugt flächendeckende Aufmerksamkeit – nicht nur in Unternehmen, sondern in der gesamten Gesellschaft.

In den 80er Jahren machte das 1972 gegründete Softwarehaus SAP integrierte Unternehmenssoftware international marktreif und erfolgreich. Die zwei wesentlichen Erfolgsfaktoren für die SAP und ihre Kunden waren zu dieser Zeit zum einen die Standardisierung der Anwendungslösung als Produkt, sowie die technische und semantische Integration der betrieblichen Anwendung für Einkauf, Produktion, Lager, Vertrieb und Rechnungswesen.

 

In den 80er Jahren entstand auch das Konzept „Computer Integrated Manufacturing“ (CIM) und Volkswagen produzierte mit großem Robotereinsatz in Halle 54 den Golf II.

Die erste Phase der digitalen Transformation begann wohl so richtig Ende der 90er Jahre mit der allgemeinen Verfügbarkeit des Internets und neuen Integrations- und Kommunikationsmöglichkeiten in der IT. Mit AuctionWeb (dem späteren eBay) im Jahre 1995, mit ICQ, dem „WhatsApp“ der späten 90er, und Napster (Musikplattform 1999), um nur drei zu nennen, gingen auch schon die ersten völlig neuen digitalen Geschäftsmodelle an den Start.

1997 erfand IBM das „e-business“ und Metro eröffnete 2003 seinen Future Store.

Die damals sehr innovativen Industrieprojekte CIM, e-business und RFID-basierte Logistik kämpften allerdings mit einer Menge von Unzulänglichkeiten der neuen Technologien und deren Anwendbarkeit. Die Initiativen wurden teilweise eingestellt und später neu aufgelegt.

Heute sind wir auf dem sogenannten „Plateau der Produktivität“ für die damaligen Technologien und Ansätze angekommen, in jedem Falle was das „eBusiness“ anbelangt.

Robustes „Pervasive Computing“, vor allem durch die skalierbare Verfügbarkeit des Internets, verbesserte Kommunikationsstandards, flexible mobile Infrastrukturen, leistungsfähiges Datenmanagement und Analytics sowie das weiter dramatisch verbesserte Preis-/Leistungsverhalten der IT-Hardware, einhergehend mit Cloud-basierter Betriebsmodellen, ermöglicht heute die erfolgreiche Umsetzung vieler innovativer Ideen aus den vergangenen Jahren, sowie auch ganz neuer Ideen.

Für diese erste Phase der digitalen Transformation haben viele Unternehmen noch immer Nachholbedarf um die Produktivitäts- und Geschäftspotenziale, die durch den Einsatz dieser verfügbaren Technologien und Lösungen eröffnet werden, zu heben.

Seit ca. 2014 ist eine neue Phase der digitalen Transformation eingeleitet worden, von manchen als „Second Machine Age“ oder „vierte industrielle Revolution“ bezeichnet, welche seit 2016 nicht nur die Medien der IT-Welt befüllt. Die Visionen und Annahmen der Möglichkeiten dieser zweiten, viel stärkeren Phase der digitalen Transformation beruhen auf den enormen Potenzialen, welche Daten- und Algorithmus-getriebene Computeranwendungen eröffnen können. Big Data Technologien und IoT (Internet of Things) ermöglichen eine beinahe unerschöpfliche Datenflut, welcher sich IA (Intelligent Agents) und AI (Artificial Intelligence) habhaft machen werden. Damit verbunden entstehen auch völlig neue Computing Konzepte und Technologien wie etwa Edge Computing, Fog Computing und Blockchain. Weiter ansteigende Rechnerleistung tut das Übrige um ganz neue Fantasien zu nähren.

Die erste Phase der digitalen Transformation ist durch eine evolutionäre, stark IT-lastige Aufgabenstellung gekennzeichnet.
Die zweite, starke Phase der digitalen Transformation hält dagegen deutlich komplexere und weitreichendere Herausforderungen bereit. Nicht wenige sprechen von einer sogenannten „disruptiven“ Phase welche die Unternehmen und die Gesellschaft massiven Veränderungen aussetzen kann.
Heute befinden sich die dafür benötigten Technologien noch auf dem sogenannten „peak of inflated expectations“, d.h. in einer extremen Hypephase. Sicher ist jedoch, dass die sich rasant entwickelnden, neuen Technologien, auch in irgendeiner Form zur Anwendung kommen werden.

 

Viele Unternehmen befinden sich heute noch inmitten der Umsetzung der ersten Phase der digitalen Transformation. Im Fokus steht dabei, die Geschäftsprozesse mit Kunden und Partnern noch stärker zu digitalisieren um die Top Line des Unternehmens zu erhöhen, und verfügbare Informationen digital zu nutzen um Qualität und Geschwindigkeit der internen Abläufe und damit auch die Bottom Line zu verbessern. Es ist also wichtig für Unternehmen, sich mit den heute vorhandenen Möglichkeiten vertraut zu machen und die Potenziale zur Absicherung oder Verbesserung des Unternehmenserfolgs zu schöpfen.

Die zweite Phase der digitalen Transformation wird Unternehmen, Geschäftsmodelle, die Arbeitswelt und auch die Gesellschaft signifikant verändern. Unternehmen, die ihre „Hausaufgaben“ aus der ersten Phase bereits gemacht haben, und die in Branchen aktiv sind, welche besonders den Chancen aber auch Bedrohungen der zweiten Phase ausgesetzt sein werden, sollten sich rechtzeitig mit den neuen Möglichkeiten und den Anforderungen befassen.

Sie sollten anfangen zu klären, was sie erreichen möchten und erreichen können, um mit den neuen technischen Möglichkeiten in der Zukunft den bestmöglichen Nutzen für sich und ihre Kunden zu erzielen. Diese Aufgabe muss dann Chefsache im Unternehmen sein und die gebührende Priorität und Aufmerksamkeit bekommen.